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Druckfassung am Sonntag, 10. Mai 2026, von:
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Sehen Sie das Video "More about Richard Kandt" auf Youtube
Als direkte Antwort auf die Gräuel des Zweiten Weltkriegs wurden die Vereinten Nationen gegründet, angelegt als internationales Forum für Friedenssicherung und Konfliktlösung. Deren im Sommer 1945 erstellte Charta trat am 24. Oktober des gleichen Jahres in Kraft. Anlässlich des 75. Jahrestages dieses Datums begannen der ruandische Dichter und Sänger Kivumbi King und der Musiker Kaya Free aus Burundi ihre künstlerische Zusammenarbeit, um den Geist der Charta zu ehren sowie der Opfer von Kriegen, Staatsverbrechen und politischer Gewalt zu gedenken.
Die beiden Künstler hatten insbesondere die Kolonialherrschaft in Deutsch-Ostafrika im Blick, und damit ein Territorium, das in etwa den heutigen Staatsgebieten Tansanias, Ruandas und Burundis entspricht. Während Tansania am staatlichen Trauertag an die traumatischen Jahre des deutschen Kolonialismus und dessen fast 300.000 Todesopfer erinnert, spielt die deutsche Herrschaft in der ruandischen und burundischen Erinnerungskultur kaum eine Rolle. Die Künstler setzten sich mit dieser eklatanten Diskrepanz auseinander, indem sie das Leben und die Zeit des Afrikaforschers Richard Kandt in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellen. Dieser wirkte von 1907 bis 1914 als Vertreter des deutschen Kaisers in Ruanda und wird dort bis heute verehrt. So beherbergt seine ehemalige Residenz in der Hauptstadt Kigali ein nach ihm benanntes Museum.
Die kreative Arbeit von King und Kaya spiegelt Kandts Engagement vor dem Hintergrund der zerstörerischen Folgen des deutschen Kolonialismus in Afrika wider. Ihre Darbietungen tragen den Titel "More About Richard Kandt" (M.A.R.K.) und wurden von dem deutschen Filmemacher Valery Scheuerpflug in Szene gesetzt. Ihr Vorhaben hat das Ziel, neue Wege der Zusammenarbeit zu erkunden, um eine Zukunft zu gestalten, die sich mit kolonialem und postkolonialem Denken gleichermaßen auseinandersetzt.
M.A.R.K. wurde durch den Projektfonds "Burden of Memory" ermöglicht, der von den Büros des Goethe-Instituts in Kamerun und Namibia bereitgestellt wurde. Der Fonds unterstützt Kulturschaffende aus Afrika, die sich mit der deutschen Kolonialvergangenheit in ihren Ländern auseinandersetzen und sich mit den negativen Folgen des deutschen Kolonialismus in Afrika befassen.