Projekte | Berlin (2011)

Kolonialismus reflektieren – Reichskriegsflagge, Dauerkolonie Togo

Mit Unterstützung des Memos e. V. organisierte die deutsch-niederländische Jugendinitiative "Reflecting Colonialism" eine Studienreise nach Berlin. Dort stand die Auseinandersetzung mit der "Kongo-Konferenz" von 1884/85 im Mittelpunkt der einwöchigen Veranstaltung. Zu diesem auch als Afrika-Konferenz bezeichneten Treffen hatte Otto von Bismarck, der Kanzler des Deutschen Reiches, eingeladen. Die Zusammenkunft hochrangiger Vertreter (!) Belgiens, Dänemarks, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande, Österreich-Ungarns, Portugals, Russlands, Spaniens, Schweden-Norwegens, der USA, des Osmanischen und des Deutschen Reiches löste einen Wettlauf um die Kolonisierung Afrikas aus, also die Invasion, Besetzung, Aufteilung und Ausbeutung afrikanischer Gebiete durch europäische Mächte. Die imperialistische Politik Deutschlands gipfelte in zügelloser Aggression, Vernichtungskriegen und Völkermorden. Unzählige Leben wurden zerstört, soziale Strukturen zerschlagen und bestehende Formen der Autonomie und Selbstverwaltung beseitigt.

Die Jugendinitiative beschäftigte sich auch mit der Frage, inwieweit die rassistischen Grundlagen der Kolonialzeit bis heute sichtbar sind. Ihre Suche nach einer Antwort führte sie in den Norden Berlins. In einer Kleingartenanlage namens "Dauerkolonie Togo" entdeckten die jungen Leute ein beunruhigendes Symbol deutsch-nationaler Gesinnung, die Reichskriegsflagge (Foto). Diese war die offizielle Kriegsflagge des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945 und wird heute vor allem als Symbol rechtsextremer Gruppen verwendet. Sie steht für eine Ablehnung der parlamentarischen Demokratie und symbolisiert Militarismus und Obrigkeitsdenken. Die Flagge verwendete die Farben Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreichs in Kombination mit einem schwarzen Kreuz und einem preußischen Adler, der im Dritten Reich das Eiserne Kreuz trug und nun auf der Flagge des Dritten Reiches in der Mitte saß. Die Flagge ist nicht grundsätzlich verboten, kann aber bei Gefahr für die öffentliche Ordnung beschlagnahmt werden.

Für Memos war "Reflecting Colonialism" der erste Versuch, die politische und moralische Verantwortung zu ermessen, die wir als ein in Berlin ansässiger Verein aufgrund der von deutschen Kolonialtruppen begangen Verbrechen zu tragen haben. Unsere Aufgabe sehen wir vor allem darin, junge Menschen unterstützen zu können, bei der Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit Europas mitzuwirken, koloniale Kontinuitäten zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Unsere Bemühungen finden in den Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung eine wichtige Orientierungshilfe.